DIBOS - Digitalisiertes Bodenbeschreibungs-System

Einleitung

Die Finanzverwaltungen haben seit den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts Bodenschätzungsdaten für den landwirtschaftlichen Bereich erhoben und in analoger Form in Büchern und Karten erfasst. In Brandenburg liegen für die landwirtschaftlich nutzbare Fläche von etwa 15000 km2 ca. 12000 Feldschätzungskarten und ca. 2500 Feldschätzungsbücher vor. Die Führung der Ergebnisse der Bodenschätzung oblag den Katsterverwaltungen. Um diese Daten zeitgemäß nutzen zu können, war der Aufbau eines Geo-Informationssytems von Nöten. Die analogen Daten der Bodenschätzung sollten daher im Rahmen des Projektes FALKE digitalisiert werden. Entsprechend der gesetzlichen Regelungen sollen die im Liegenschaftskataster nachzuweisenden beschreibenden Angaben der Bodenschätzung im Automatisierten Liegenschaftsbuch (ALB), die graphischen Daten in der Automatisierten Liegenschaftskarte (ALK) und die Daten des Feldschätzungsbuches der Finanzverwaltung im System FESCH (digitalisiertes Feldschätzungsbuch) nachgewiesen werden. Der Schaffung von DIBOS erfolgte in den Jahren 2004 bis 2006 im Rahmen des durch die Europäische Union cofinanzierten Projektes FALKE.

Grundlagen

Auszug aus einer Bodenschätzungskarte

Zum Zweck der Bodenschätzung werden für landwirtschaftlich nutzbare Flächen Bodenproben genommen. Hierfür werden in einem Raster mit einem Punktabstand von jeweils etwa 50m mindestens einen Meter tiefe Löcher gebohrt oder gegraben und Bodenproben entnommen. Der Schätzungsausschuss bewertet und bestimmt die Probe vor Ort. Die Lage dieser Bohr- und Grablöcher sowie Flächen gleichartigen Bodens werden in den Bodenschätzungskarten dargestellt. Die Schätzungskarten basieren auf der Liegenschaftskarte und liegen in den Maßstäben 1:1000 bis 1:5000 vor. Parameter wie Bodenart, Humosität, Schichtenaufbau, Wasserverhältnisse, Verdichtungen u.a. werden im Schätzungsbuch erfasst.

Für die Digitalisierung der Schätzungskarten war die Automatisierte Liegenschaftskarte zugrunde zu legen. Da die analogen Flurkarten in der Regel gemarkungsweise in die ALK überführt wurden, konnte sich DIBOS erst nach Fertigstellung der FALKE-Projekte anschliessen. Die Übernahme der analogen Daten der Schätzungskarten konnte jedoch bis Ende 2006 erfolgen.

Durchführung

Auszug aus Geograf

Die Digitalisierung der Bodenschätzungskarten erfolgte in unserem Büro mit dem Programm Geograf. Die mit einer Auflösung von 300 dpi gescannten Karten wurden nach der Zuweisung einer ausreichenden Zahl von Passpunkten mittels einer 4-Parameter Transformation in die Automatisierte Liegenschaftskarte eingepasst.

Als erster Schritt wurden die Klassenflächengrenzen, die Klassenabschnittsgrenzen und die Sonderflächengrenzen digitalisiert. Da sich die Bodenschätzung auf landwirtschaftliche Flächen bezieht, werden größere Waldflächen und bebaute Flächen von der Bodenschätzung ausgespart. Anhand von georeferenzierten Orthophotos wurden neu auszusparende Flächen lokalisiert und markiert, um eine spätere Herauslösung aus der Bodenschätzung durch die Katasterverwaltung vorzubereiten. Die Fachbedeutungen der Schätzungsflächen wurden auf Flurstücks- und Nutzungsartengrenze aufaddiert.

Anschließend wurden die in den Schätzungskarten erfassten Grablöcher tagesabschnittsweise digitalisiert und beschriftet. Die Objektverschlüsselung erfolgte gemäß den ALK-Richtlinien (OSKA-LIKA Bbg - Objektschlüsselkatalog Liegenschaftskataster Brandenburg). Jedem Grabloch wurde dabei der Tagesabschnitt als Oberobjekt zugeordnet.

Abschließend wurden die Klassen- und Schätzungsflächen beschriftet und deren Objekte erzeugt.

Über das Grafout-Format wurden die Daten aus Geograf für die Datenprüfung ausgegeben.

Qualitätssicherung

Anhand von transparenten Prüfplots als Deckblatt für das Kartenoriginal wurde die Digitalisierung visuell auf Vollständigkeit geprüft.

GGMan

Die Prüfung der Daten erfolgte in zwei Schritten.

Mit dem Programm GGMan (Geograf-Manipulator) wurden die Daten inhaltlich geprüft. So wurden beispielsweise die Wertzahlen der Acker- und Grünlandschätzungsflächen mit der FESCH-Datenbank (Feldschätzungsbücher) abgeglichen. Bereits in den analogen Karten vorhandene fehlerhafte Angaben wurden nach Rücksprache mit Kataster- und Finanzamt behoben und somit nicht in die zu erstellende digitale Karte übernommen.

Die mit GGMan im Grafout-Format erzeugte Datei wurde in einem zweiten Schritt durch das Programm FME (Feature Manipulation Engine) bearbeitet. Bestandteil dieser Prüfung war die technische Korrektheit der Daten. Der Verschnitt von Objekten wurde geprüft, die Objekte der Bodenschätzung mit den Objekten der vorhandenen ALK verschnitten. Eventuelle Fehler konnten anhand der zu Geograf kompatiblen Fehlerdatei in der Grafik behoben werden.

Die mit FME im Grafout-Format erzeugte Datei wurde in einen neuen Geograf-Auftrag importiert. Hier erfolgte der abschließende Datentransfer zum GIAP über die EDBS-Schnittstelle.

Ausblick

Die Erfassung der grafischen und beschreibenden Daten der Schätzungskarten und deren Integration in ALK und ALB sind abgeschlossen. Die Erfassung der Feldschätzungsbücher und die Übernahme der Daten nach FESCH wird derzeit durch ABM- und MAE-Maßnahmen realisiert. Ein großer, aber unverzichtbarer Aufwand wird der Abgleich der erfassten Daten sein. Erste Prüfungen ergaben erhebliche Abweichungen der Angaben der Bodenschätzung zwischen Karten und Büchern.

Nach Abschluss dieser Arbeiten werden mit DIBOS zukünftig für landwirtschaftlich genutzte Flächen umfangreiche bodenkundliche Auswertungen möglich sein, die für Planungs- und Zulassungsverfahren, Projekte und Entwicklungskonzepte benötigt werden.

     
Vermessungsbüro
Jörg Schröder
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